Kaiserthermen

Baugeschichte

Zu einem der Großbauprojekte, die die Ernennung Triers Ende des 3. Jahrhunderts (293 n. Chr.) zur Hauptstadt mit sich brachte, zählen die Kaiserthermen. Zusätzlich zu den 150 Jahre älteren Barbarathermen am Moselufer, sollte wohl nach Planungen des Mitkaisers (Augustus) Marcus Aurelius Velerius Maximianus (1.3.286-1.5.305) im südlichen Palastbezirk der Residenzstadt eine der größten Bäderanstalten des römischen Imperiums entstehen.

Modell der fertiggestellten Kaiserthermen

 

Heute sind noch bis zu 19 m hohe antike Mauern im Bereich des Caldarium (Warmwasserbad) erhalten.

Erste Bauphase: Unvollendetes Projekt

Als östlicher Abschluss der zentralen, von der Römerbrücke herführenden römischen Hauptstraße Decumanus Maximus, bedeckte der Bäderpalast (250 x 145 m) vier Insulas römischer Wohngebäude aus dem 2.Jhd. n. Chr. (Ausgrabungen des Baderaumes eines vorthermischen Hauses) im Bereich der Palästra, s. Grundriß der Wartungsgänge und Wasserkanäle), welche zugunsten dieses Bauvorhabens weichen mussten. Ein hydrographisch günstiges Umfeld mit einer Wasserversorgung durch Altbach, Herrenbrünnchen und über zwei Aquädukte von großen Becken vom Petrisberg gespeist durch Ruwerwasserleitungen waren für die Standortwahl entscheidend.
Wegen der bevorstehenden Umsiedlung Kaiser Constantinus I.(305-337) nach Byzanz/Konstantinopel 324 n.Chr. gerieten aber die Arbeiten des von Osten nach Westen voranschreitenden Baus ins Stocken und kamen wohl ab 316 zum Erliegen, sodass die Thermen gut fünf Jahrzehnte eine Bauruine blieben. Im Westen entlang der Weberbachstraße, wo ein Tor in den Hof der Thermen führen sollte, kamen die Baumaßnahmen nicht wesentlich über die Grundmauern hinaus. Aufgrund der heute erhaltenen Mauern ist zu vermuten, daß nur die im Ostteil gelegenen Bereiche CaldariumKesselhaus und Tepidarium vollendet wurden.

Zweite Bauphase: Umbau und anderweitige Nutzung von ca. 367 bis 436 (Ende der kaiserlichen Verwaltung)

Im Zuge eines neuen Aufschwungs für Trier unter Kaiser Flavius Gratianus (367- 383)[1,2], Sohn von Kaiser Flavius Valentinianus (364-375), führten Arbeiten den Bau einer neuen Verwendung zu, in keinem Fall jedoch der Nutzung als Thermen, wohl auch unter dem Einfluss der Kirche, die öffentliche Bäder generell ablehnte. Die Umbaumaßnahmen manifestieren sich:

  • im Rückbau des Frigidariums, damit einhergehend der Erweiterung des westlichen Hofes (Palästra),
  • in der Beseitigung der Einrichtungen für Heizung und Wasserleitungen,
  • in weiteren Zugängen im Norden und Süden,
  • im nördlichen Anbau eines kleinen Badehauses und
  • in der Umgestaltung der Räume neben dem Tepidarium und der den Hof umgebenden Flure in dutzende Kammerfluchten.

Diese Raumaufteilung und die Gesamtgröße des Baus lassen auf eine Nutzung als Polizei- oder Militärkaserne schließen mit

  • einem Hof zur Unterbringung einer großen Zahl von Truppen und Pferden,
  • dem Rundbau des Tepidariums als Vor- und Empfangshalle und
  • dem Caldarium als Exerzierhalle.

Eine andere Interpretation sieht den Kernbau als repräsentatives Kaiserforum mit dem umgebauten Caldarium als forensische Basilika (frühchristliche Markt- und Gerichtsstätte mit Marktaufseher oder Richter in einer der Apsen).

Nachrömische Phase

  • Caldarium und Kesselhaus dienen als Burg der Trierer Familie De Castello.
  • In der Fränkischen Zeit findet die Bevölkerung Schutz hinter den dicken Mauern.
  • Im Zentrum des Hofes der Kaiserthermen wird die Kirche St. Gervasius errichtet.
  • 1102-1124 werden die Kaiserthermen als “Alderburg” Bestandteil der südlichen Stadtmauer (römische Südstadt wurde bereits aufgegeben).
  • Das Caldarium erhält einen Wohnturm im Winkel zwischen Ostapsis und Südapsis, der später als Kerker/Gefängnis genutzt und Geschlechterturm genannt wird.
  • Im 13. Jahrhundert kontrollieren die trierer Burggrafen De Castello die Festung, sowie den als Stadttor dienenden linken mittleren Fensterbogen der Südapsis.
  • 1295 siedeln sich die Klosterschwestern St. Agneten an und betreuen die Gemeinde St. Gervasius. Auf dieses Jahr geht auch die Errichtung der Klosterkirche St. Agnes, im Nordwesten des ehemaligen Thermengeländes zurück.
  • Der Kurfürst und Erzbischof Jacob von Eltz (geb. 1510 auf der Burg Eltz bei Cochem, gest. 4.6.1581 in Trier) setzte das Tor instand und schmückte es außen mit seinem heraldischen Wappen, wie aus Zeichnungen hervorgeht.
  • Mitte des 18. Jhd.: Abbruch von Teilen der Stadtmauer und Entfernung der drei oberen Fenster der Großen Apsis.
  • 1803: Einebnung der Kirche St. Gervasius unter französischer Verwaltung
  • 1805: Auflösung des Klosters wegen Säkularisation (Verweltlichung einer Gesellschaft, bzw. Einziehung geistlicher Güter durch weltliche Obrigkeit). Das Portal des Klosters der St. Agneten steht heute gegenüber dem Eingang der Liebfrauenkirche!
  • Um 1816: Zerstörung des Geschlechterturms

Geplante Nutzung der Kaiserthermen

Ursprünglich geplante Nutzung der Kaiserthermen mit vorgesehenem Baderitual (vgl. Grundrißzeichnung unten)

  1. Der antike Besucher gelangt durch das westliche Portal (Weberbach) auf das Thermengelände, d.h. den Hofplatz (Palästra) und die den Hof umgebenden Flure.
  2. Nach Entledigung seiner Kleidung in einer der Garderoben unternimmt er Badevorbereitungen durch Ölen, Massage und Abreiben.
  3. Nach einem entschlackendem Schwitzbad im Sudatorium gelangt er durch einen schräg einmündenden Zugang in das Caldarium.
  4. Das Bad in einem der Becken des Warmwasserbades (Caldarium), dem Herzen der Anlage, gilt als Höhepunkt des Besuchs.
  5. Vom Caldarium in das Warmluftbad (Tepidarium) schreitend kann der Körper abkühlen.
  6. Bei Betreten des Kaltwasserbades (Frigidarium) soll der beheizte Fußboden die Kälte abmildern. Als größter Raum ist die Halle des Kaltwasserbades geplant, mit den Ausmaßen der Palastaula (Konstantinbasilika) vergleichbar.

Grundriss Kaisertherme Trier

Architektur und Beheizung

Der Grundriss der Anlage entspricht anderen römischen Thermen, wie derjenigen der Barbarathermen oder jenen der nordafrikanischen Thermen von Djémila, dem Cuicul Algeriens. So folgt der Bau einem dreieckigen Grundriss.
Anlagen wie Barbara- oder Kaiserthermen sind insbesondere in diesen nördlichen Breiten nur mithilfe der richtigen Wärmedämmung und Heizanlagen denkbar.
Das Fensterglas, eine ägyptische Erfindung um 2000 v. Chr., fand im Römerbau des ersten Jhd. n. Chr. Eingang. Die Römer entwickelten das farblose Glas, welches durch Beimischung von Braunstein (Mangandioxid, MnO2) in der Schmelze in seiner natürlichen Färbung abgeschwächt werden konnte. Durch die Verwendung von Doppelfenstern erzielten die Thermenbauer den gewünschten Treibhauseffekt. Bemerkenswert ist die östliche Ausrichtung der Kaiserthermen im Gegensatz zu den nach Süden orientierten Barbarathermen.
Die Kaiserthermen verfügten über eine Hypokaustheizanlage. Ein auf Ziegelsäulen ruhender Fußboden erwärmte sich durch heiße Verbrennungsgase, welche in die Hohlräume unter dem Fußboden geleitet wurden. Die Gase zogen über schornsteinartige, kastenförmige Hohlziegel hinter der Marmorverkleidung der Baderäume nach oben durch Kamine ab (ähnlich Heizanlage Palastaula Trier). Die so mit der Fußbodenheizung verbundenen erwärmten Hohlwände (tubuli) schirmten die Räume vor der von außen eindringenden Kälte ab und verhinderten die Bildung von Kondenswasser an den Marmorwänden.
Weit verzweigte, noch heute gut erhaltene und begehbare unterirdische Kanal-, Wartungs- und Bedienungsgänge sollten den reibungslosen Betrieb der Anlage ermöglichen. Hohe Gänge führen unterirdisch noch heute durch den gesamten Thermenbau, welche im Unterschied zu den Barbarathermen auf zwei Niveaus aufgeteilt verschiedenen Funktionen dienen sollten:

  • einerseits im unteren Bereich der Gänge zur Ableitung von Brauch- oder Regenwasser in Kanälen, worauf Kanaldurchlässe im Thermengemäuer hinweisen,
  • andererseits etwa 2m über der unteren Gangsohle sind Bedienungskorridore, die dem Personal Zutritt zu Präfurnien oder Lichthöfen gewährte.

Die Bedienungsebene ist streng getrennt von der Benutzerebene und bilden ein in sich geschlossenes System von Präfurnien, Kesselräumen, Keller- und Wartungsgängen, welche ursprünglich nur von außen zugänglich waren.

Kaisertherme Grundriss Keller

Quellen/Literatur

  • Goethert, Klaus-Peter: „Römerbauten in Trier“, Führungsheft 20, Edition Burgen Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz, Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz und Landesmedienzentrum Rheinland-Pfalz (Hrsg.), Koblenz, Mainz 2003, 159 Seiten
  • Reusch, Wilhelm: „TRIER Kaiserthermen“, Heft 1, Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Verwaltung der staatlichen Schlösser Rheinland-Pfalz, Mainz 1989, 36 Seiten

für Gestaltung und Text: Yorck von Wartenburg, Marcus